Die „stille Post“ politischer Kommunikation

Deana Mrkaja Content Queen
  • Name: Deana Mrkaja
  • Wohnort: Berlin – Deutschland
  • Job-Bezeichnung: Journalistin & Zukunftsforscherin
  • Herzensthemen: Politik, Gerechtigkeit, Demokratie, Soziales, Nachhaltigkeit, Zukunftsthemen

Wer nach außen kommuniziert, begibt sich in schwierige Fahrwasser. Insbesondere dann, wenn es um Politik geht. Doch es gibt politischen Content, der funktioniert.

Wir tun es alle täglich und doch bleibt es eines der schwierigsten Dinge für uns Menschen: die Kommunikation. Egal, ob mit Freunden, im Büro oder nach außen, richtig zu kommunizieren bleibt eine Herausforderung. Auch der Mann, der wie kaum ein anderer den Begriff der Kommunikation geprägt hat, Niklas Luhmann, beschreibt dieses Vorgehen gleich als soziales System. Ein solches System existiert seiner Definition nach nur allein durch Kommunikation und indem es sich selbst produziert – Kommunikation erzeugt demnach Kommunikation. Einfach gesagt: Mit unserer täglichen Sprache entwickeln wir Menschen erst unser soziales Zusammenleben. Kein Wunder also, dass die ganze Sache gerade im Bereich der Politik so schwierig wird.

In der Öffentlichkeit hören wir PolitikerInnen häufig Dinge sagen wie: „Das habe ich so nicht gesagt“, „Da haben Sie mich nicht richtig verstanden“, „Dieser Satz ist aus dem Zusammenhang gerissen“, „Das habe ich so nicht gemeint“. Und tatsächlich sei es ihnen verziehen. Denn was zwischen Sender und Empfänger von Nachrichten passiert, verhält sich manchmal wie bei der „stillen Post“. Wir Menschen interpretieren das Gesagte anderer und geben es in eigenen Worten wieder, was zu unterschiedlichen Wahrnehmungen derselben Sachen führen kann. Wie sieht also gute politische Kommunikation aus? Wie Content in diesem Bereich, der die eigenen Zielgruppen erreicht und dabei das Interesse an Politik weckt? Dazu hat die Autorin dieses Textes einen Selbsttest gewagt und einfach eine neue Partei gegründet.

Die Strategie lautet: Breit streuen

Gut. Einfach war selbstredend nichts daran, eine neue politische Partei zu gründen. Wie es sich sicherlich viele vorstellen können, handelt es sich dabei um die Kulmination deutscher Bürokratie. Wer es also schafft, einige Menschen um sich herum zu vereinen, von denen am besten ein paar in der Juristerei zuhause sind, tonnenweise Papierkram zu erledigen, eine Satzung, eine Finanz- und Schiedsgerichtsordnung zu schreiben, einen Vorstand zu wählen und auch andere Positionen zu besetzen, bereit ist, das eigene Werk immer wieder so an Gesetzlichkeiten anzupassen, bis es endlich irgendwie passt, hat es auch schon geschafft – eine neue Partei ist geboren. Natürlich ist nach der Arbeit vor der Arbeit, sodass es im Anschluss daran geht, die Partei bekannt zu machen – sogar über den eigenen Freundes- und Familienkreis hinaus. Das geht nur durch Kommunikation.

Wessen hehres Ziel es ist, so viele Menschen wie möglich zu erreichen und sich dabei nicht auf eine Klientel einschießt – was im Übrigen vielen Parteien guttun würde – muss auch in der Kommunikation breit streuen. Zunächst geht es um die klassische PR-Arbeit. Dazu sollten Presse-Kits erstellt werden, die das eigene Vorhaben in wenigen Sätzen darstellen, das Alleinstellungsmerkmal der Partei hervorheben und dabei noch ziemlich gut aussehen. JournalistInnen haben wenig Zeit, bekommen einen Haufen von Emails und sollten daher sofort wissen, worum es in dem Kit geht. Wer noch keine Mailinglist zu AnsprechpartnerInnen der Branche besitzt, sollte sich eine zulegen. Direkt bei den Redaktionen durchrufen und nach den richtigen Leuten fragen, erspart am Ende viele Nerven. Um am Ende auch hier unterschiedliche Altersklassen zu erreichen, sollte man sowohl Print- als auch Onlineredaktionen anschreiben.

Jede Generation bekommt ihre eigene Plattform

Die Massen haben es längst verstanden, nur die Politik hinkt noch etwas hinterher. Wer heutzutage Menschen erreichen möchte, kommt an Social Media nicht vorbei. Im Grunde genommen, kann auch nur auf dieses Pferd gesetzt werden, wenn unterschiedliche Kanäle bedient werden. Denn auch alle großen Medien schnappen mittlerweile unter anderem dort ihre Themen auf. Jede Generation bekommt ihre Plattform und wächst mit dieser mit. Während die Facebook-Generation mittlerweile ein höheres Alter erreicht hat, tummeln sich mittelalte Personen am liebsten auf Instagram und die Jungen lieben ihr TikTok. Wer also sie alle erreichen möchte, muss lernen, die Plattformen perfekt zu bedienen.

Das bedeutet vor allem, sich klarzumachen, für wen genau der Content produziert wird: Wie alt und welche Interessen hat die Zielgruppe? Wie klingt ein authentisches Wording? Wie steht es um die Sehgewohnheiten? Wer diese Fragen beantwortet, weiß auch wie Politik an die Frau gebracht wird. In sozialen Netzwerken ist das Video die Königin. Bewegtes Bild erzeugt Engagement, erreicht die Leute, unterhält und informiert sie im besten Fall synchron und passt zu den schnelllebigen (Seh)-Gewohnheiten unserer heutigen Zeit. Damit lassen sich sogar politische Inhalte zu „snackable Content“ machen.

Wer nur sendet und nicht empfängt, erreicht nichts

Wer diese Punkte beachtet, hat in Bezug auf den politischen Content schon einiges erreicht. Dann kommt es nur noch auf den programmatischen Inhalt an. Doch eine letzte Hürde gilt es zu nehmen, wenn man heutzutage Menschen mit politischem Stoff erreichen möchte. Man muss mit ihnen reden. Von Angesicht zu Angesicht. Von Person zu Person. Nur dann spüren wir echte Gestik, Mimik, Charisma und Persönlichkeit. Wir haben mit unserer Partei gelernt, dass die BürgerInnen in unserem Land PolitikerInnen und auch noch Parteien sehr skeptisch gegenüberstehen und das Gefühl haben, nichts mehr bewegen zu können. Doch in einem persönlichen Gespräch ergeben sich Dynamiken, die die Skepsis verringern können.

Am Ende ist es so: Guter Content in der Politik ist, was Menschen begeistert, emotionalisiert und sie zum Mitmachen anregt – und dabei stets authentisch bleibt. Senden ohne empfangen ist nichts wert. Denn Kommunikation entsteht durch Kommunikation und macht uns alle erst dadurch zu sozialen Wesen.